E-Recruiting – Tipps, Tricks & Insights

Postalische Motivationssschreiben adé. Auch klassische E-Mail Bewerbungen werden immer seltener. Wie die Tiroler Tourismusbranche einen anderen Weg geht, liest du hier.
Inhaltsverzeichnis

Digitaler Bewerbungsprozess am Beispiel des ersten European Online Job Day

50 Millionen Nächtigungen pro Jahr, 55.000 Personen an Fachpersonal in 123 verschiedenen Skigebieten – das sind die Zahlen einer normalen Tiroler Wintersaison. Ski- und Bergregionen locken in den kalten Monaten unzählige Touristen aus ganz Österreich und Europa an. In großen oder kleinen Gastronomiebetrieben werden tausende Fachkräfte angestellt. Vom Skiwärter über Küchenpersonal bis hin zur Freizeitgestaltung und Physiotherapeuten – um nur einige der Jobmöglichkeiten im Tiroler Winter zu nennen.

Und diese gilt es zu finden. Das war das Ziel des European Online Job Days, der für die Tiroler Tourismusbranche am 22. Oktober 2019 von 14.00 bis 18.00 Uhr stattfand. Eine Initiative vom AMS Tirol in Kooperation mit EURES Österreich und der Europäischen Kommission. Dabei wurden online Jobangebote für die Wintersaison 2019/2020 angeboten und Interessierte konnten „live“ mit den potentiellen Dienstgebern ins Gespräch kommen. Interessante Infos über Land und Leute, sowie rechtliche Voraussetzungen wurden ebenfalls vermittelt und kurze Filmsequenzen, machten Lust auf „Leben und Arbeiten“ in Tirol. Das durfte topdestination.tv begleiten. Mittels Recruitingvideos und einer vierstündigen Live-Berichterstattung wurde der Online-Career Day für Interessierte zugänglich gemacht.

Menschen aus ganz Europa konnten beim ersten European Job Day im Gastronomie-, Hotellerie- und Tourismus-Bereich einen ganzen Tag mit Tiroler Betrieben in Kontakt treten. Abgehalten wurde das Event online. Interessierte konnten vorab ihren Lebenslauf hochladen und auch erste Kennenlern-Termine bei verschiedenen Betrieben ausmachen. Aber dazu später mehr.

Ganz bewusst entschied man sich in Tirol für einen neuen Weg in Sachen Mitarbeitersuche.

Die Vorteile von E-Recruiting

Vorteile des E-Recruitings

Stellenausschreibungen online-stellen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Das richtige Wording und eine exakte Textierung sind dabei ausschlaggebend, möglichst viele Kandidaten anzusprechen. Je exakter und präziser die Anzeige formuliert wurde, desto eher passen Bewerber, Anzeige und Unternehmen überein. Hier gilt: Man darf sich gerne auch etwas trauen. Was kann sich der Bewerber erwarten? Was nicht? Modernes E-Recruiting endet hier allerdings noch lange nicht, sondern geht über die bloße Stellenanzeige weit hinaus. Immer größere Konkurrenz zwischen den Unternehmen und der Fachkräftemangel erfordern kreativere Zugänge.

Unter E-Recruiting versteht man den gesamten Recruitingprozess über digitale Kanäle. Für viele Unternehmen ist es heute auch nicht mehr zeitgemäß, wenn eine Bewerbung per Post eintrudelt. Durch die Digitalisierung hat sich nicht nur das Privatleben verändert, sondern vor allem auch der Wettbewerb am Arbeitsmarkt. Einer empirische Studie des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE und Hays zu Folge nimmt die Nutzung von Jobportalen im Internet zu: Über 63 Prozent rekrutieren über Jobportale, 53 Prozent nutzen die eigenen Unternehmenskanäle und 47 Prozent versuchen Kandidaten über Social Media-Kanäle anzusprechen. Die Studie wurde im DACH-Raum durchgeführt.

Neben Kosteneffizienz ist das Ziel von digitalem Recruiting meist die Beschleunigung des Prozesses. E-Recruiting ist die Antwort auf Digitalisierung, Fachkräftekräftemangel, Internationalisierung als auch Ressourcenknappheit des Arbeitsmarktes.

Dabei kann Recruiting heute über unterschiedliche Kanäle erfolgen. Unternehmens-Websites per E-Mail oder über ein spezielles Formular gehören heute schon dazu. Aber auch Social Media Plattformen, Online-Börsen, Mobile Recruiting, Apps, Job-Newsletter, Video-Telefonie-Dienste (wie Zoom, Microsoft Teams, etc.) oder Eignungstests über spezielle Online-Anbieter sind heute wichtige Recruitingtools. Und zunehmend mehr im Kommen sind in diesem Feld auch Videos.

Videos im Recruitingprozess

Durch Bewegtbild im E-Recruiting wird der Bewerbungsprozess noch transparenter gestaltet. Gleichzeitig kann Bewerbern dadurch eine starke Arbeitgebermarke präsentiert werden (Stichwort: Employer Branding). Die Unternehmen zeigen so einfach mehr von sich selbst, geben Einblicke in ihr Innerstes.

So zeigen Imagefilme oder Social Media Videos den Betrieb von seiner persönlichen Seite. Meist sind die Videos geskriptet und stellen das Unternehmen als auch den Leistungsumfang vor. Wenn es mehr um geschäftliche und strategische Informationen gehen soll, eignen sich Unternehmensfilme besonders gut. Im Recruitingvideo kann das gesamte Team oder einzelne Kollegen auf die Stelle, die Unternehmenswerte als auch die Anforderung der ausgeschriebenen Positionen erklären. Hier werden potenzielle Mitarbeiter angesprochen, es geht vor allem um die Unternehmenswerte und Skills. Auch Einblicke in den Arbeitsalltag sind ein gängiger Inhalt in Image-Videos. Generell gilt: Emotionale und persönliche Ansprache, frei und vor allem authentisch.

Weiters können auch Erklärfilme, Tutorials oder FAQs eingesetzt werden. Diese werden aber meist im nächsten Schritt des Bewerbungsprozesses eingesetzt, also in der Einschulung oder im Onboarding. Wie sieht es nun aber in Österreich aus? Laut Hays wurden vor dem Internetzeitalter Anzeigen hauptsächlich in den österreichischen Printmedien veröffentlicht, danach folgten Jobbörsen und eigene Netzwerke. Seit den 2010-er Jahre bündeln Suchmaschinen die Stellenanzeigen von Jobbörsen. Heute setzt die Arbeitswelt auf „Finden & Binden“ – denn man dürfe nicht mehr davon ausgehen, dass gute und qualifizierte Personen auch auf Jobsuche sind. Früher agierten Unternehmen eher reaktiv, heute gehen sie selbst aktiv auf Fachpersonal zu.2

Wie das Recruiting abläuft, ist gleich geblieben – nur die Art der Ansprache und der Übermittlung haben sich verändert. Waren es zu Beginn noch postalische Bewerbungen, häuften sich immer mehr Bewerbungen per E-Mail, sind nun seit einigen Jahren sind immer mehr Bewerbermanagementsysteme im Einsatz.

Noch genauere Job-Annoncen durch Video-Content

Eine gut geschriebene Job-Anzeige ist das A & O im Recruiting-Prozess. Welches Profil wird erwartet, was sind die genauen Tätigkeiten? Noch viel wichtiger, was sich aber kann sich der Bewerber vom Unternehmen selbst erhoffen? Wofür steht das Unternehmen, welche Werte und Unternehmensvision prägen das Bild? Gibt es Benefits für Mitarbeiter? Eine gute Textierung ist ausschlaggebend für Betriebe, ob sich Fachpersonal daraufhin auch bewirbt. Noch verlässlicher sind dabei Bewegtbild-Formate wie zum Beispiel Videos. Ein Chef, der authentisch darüber erzählen kann, löst eine andere Reaktion aus als ein unpersönlicher, an niemanden adressierter Text beziehungsweise Stellenausschreibung. Die kurzen Videos der teilnehmenden Betriebe sind persönlich, vermitteln die Werte des Unternehmens und ermöglichen es dem Bewerber einen ersten Blick auf das Team zu werfen. „Meet your employer“-Videos erzählten über die Unterkunft, über das Tätigkeitsprofil als auch die Menschen mit denen man zusammenarbeitet – so bekommt der Bewerber das Gefühl seinen zukünftigen Arbeitgeber bereits getroffen zu haben.

Bevor mit dem Produzieren eines Recruiting-Video losgelegt werden kann, muss die Zielgruppe möglichst genau eingegrenzt und bestimmt werden. Anschließend überlegt man sich, auf welchen Plattformen diese gestreut werden sollen. Für die Social Media Kanäle benötigt man meist kürzere Videos – hier reichen wenige Sekunden vollkommen aus. Auf der eignenen Unternehmens-Website kann man hingegen das ungekürzte Video stellen. Was einem erfolgreichen Recruiting-Video nicht fehlen darf, sind ein roter Faden und Testimonials. Durch konsistentes Storytelling der Testimonials wird dann wiederum Glaubwürdigkeit erzeugt. Während man auf Social Media gerne auch Smartphone-Videos posten darf, um authentisch zu wirken, sollte man von semi-professionellen Content bei Bewerbungsprozessen Abstand nehmen.

Case Study: European Online Job Day

Der vom AMS, EURES (European Employment Services) und von der Europäischen Kommission veranstaltete European Online Job Day war schon im Herbst 2019 ein maßgebender Schritt in Richtung Digitalisierung. Nicht nur in Tirol war dieses Format neu, es wurde auch das erste Mal in Österreich durchgeführt.

Menschen aus ganz Europa hatten beim European Job Day die Möglichkeit online mit Tiroler Betrieben in Kontakt zu kommen. Bereits im Vorfeld konnten Interessierte den eigenen Lebenslauf hochladen und sich Gesprächstermine für den Job Day selbst (den 22. Oktober 2019) mit den teilnehmenden Betrieben ausmachen. Auch die offenen Stellen für die Wintersaison 2019/2020 wurden bereits vorab online geschalten, damit sich potenzielle Mitarbeiter und -innen in Ruhe vorbereiten können. Es gab jedoch auch die Möglichkeit, einen Betrieb spontan während des Online-Events zu kontaktieren und sich auf ein virtuelles Infogespräch im privaten Chatroom zu treffen.

In der Tiroler Tourismusbranche arbeiten viele Fachkräfte, die nicht aus Tirol kommen. Hotel- und Gastronomiebetriebe hatten nun vorab die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber in der Tourismusregion zu präsentieren. Und was eignet sich da besser – als das mittels Bewegtbild zu tun.

Ein großer Vorteil des E-Recruitings ist vor allem das Wegfallen der Anreise bzw. Abreise von Bewerbern. Der Bewerbungsprozess wird somit für beide Seiten kosteneffizienter. Auch Zeiteffizienz ist ein wichtiger Indikator – an einem Tag kann ein wesentlich höherer Anteil an Personen erreicht werden. Die Möglichkeit höchst qualifiziertes Personal anzusprechen hat sich somit wesentlich vergrößert. Gerade in der Tourismusbranche ist es wichtig, aus einem vielfältigen Pool an Fachkräften schöpfen zu können.

Mit einem Teaservideo, das von topdestination.tv erstellt wurde, konnten binnen weniger Wochen über 1.700 Bewerber auf Social Media angesprochen werden. In über 60 verschiedenen „Emotionsinterviews“ haben sich echte Testimonials aus 20 verschiedenen Tiroler Hotelbetrieben dazu bereiterklärt, uns über ihren beruflichen Alltag in der Wintersaison zu erzählen. Sie erzählten über Arbeit, Leben und Sicherheit in den jeweiligen Orten, Regionen und Skigebieten. Gibt es für das Personal selbst auch wirklich Zeit zum Skifahren? Wie ist es in einem Tourimusgebiet zu arbeiten und wie erlebt man den Urlaub anderer, wenn man selbst arbeitet? Aus den unterschiedlichen Aussagen der Angestellten wurde ein Image-Video geschnitten und mit Winteraufnahmen aus dem hauseigenen Archiv umrahmt.

Mit Testimonials zu mehr Authentizität

So standen die vielen motivierten Fachkräfte und Angestellten, die ehrlich und authentisch aus ihrem Berufsalltag erzählten, im Mittelpunkt der Videos. So wurden in einzelnen Video-Zusammenschnitten verschiedene Jobprofile der Saisonarbeiter präsentiert. Eine Skilehrerin erzählt, was ihren Job ausmacht, wieso es zum Beispiel so wichtig ist, mehrere Sprachen zu beherrschen. Sie spricht über ihr Berufsprofil, über das Angebot und erklärt explizit die Tätigkeiten einer Skilehrerin. Interessierte Personen bekamen so bereits vorab Einblicke in das Tun und konnten sich für oder gegen eine Bewerbung entscheiden. Dies spart Zeit und vermeidet unnötige Jobinterviews, wo sich erst im Nachhinein herausstellt, dass sich beide Parteien, etwas anderes vorgestellt hätten. Bei der Erstellung der Videos war vor allem eines wichtig: Authentizität. Schließlich kann das best-produzierteste Imagevideo noch so gut sein, wenn es nicht authentisch und glaubwürdig ist. Neben den Partnern und einzelnen Tiroler Betrieben mussten vor allem die Mitarbeiter ins Rampenlicht gerückt werden. Sie waren die Stars der Filme. Denn was in den Videos deutlich rüberkam war, dass die Mitarbeiter auch wirklich lieben, was sie tun. Das Ergebnis waren ehrlich geführte Interviews ohne Skript. Neben den vielen verschiedenen Job-Profilen – wie Skilehrer, Koch oder Kellner, sollten ebenso Partner und „Employer“, also Arbeitgeber vorgestellt werden.

Fachkräfte anziehen

In einem Teaser-Video als auch die Live-Berichterstattung wurde von zahlreichen Interessierten gesehen. Danach wurden die besten Szenen, Passagen und Antworten des Live-Streams zusammengeschnitten. Das war insgesamt mehr als eine Stunde Inhalt, der relevant und informierend war. Das gesamte Filmmaterial trug wesentlich dazu bei, dass der erste European Online Job Day zu dem wurde, was er war: Ein voller Erfolg.

Nur alleine durch die Aktivitäten rund um den Career-Tag im Oktober 2019 konnten zahlreiche Positionen besetzt werden und so dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden. Die Tourismusbetriebe waren glücklich, ebenso die Bewerber.

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